Medizinische Abrechnung ist mehr als Routine
Nach einer Behandlung oder Besprechung ist die medizinische Dokumentation meist bereits vorhanden. Danach beginnt oft ein weiterer Arbeitsschritt: Die passenden Tarifpositionen müssen ausgewählt und geprüft werden.
Für wiederkehrende Fälle arbeiten viele Ärztinnen, Ärzte und Praxisteams mit vordefinierten Paketen oder Vorlagen. Das spart Zeit, solange der Ablauf gleich bleibt.
Aufwendig wird es vor allem dann, wenn etwas dazukommt, vom Standardfall abweicht oder nicht im bestehenden Paket enthalten ist. Dann müssen einzelne Tarifpositionen manuell gesucht werden. Man gibt Begriffe ein, liest Beschreibungen nach, vergleicht ähnliche Positionen und prüft, ob der Code wirklich zum dokumentierten Fall passt.
Genau hier entsteht im Alltag unnötiger Aufwand. Nicht weil diese Prüfung unwichtig wäre, sondern weil die Suche nach einzelnen Positionen Zeit bindet, die an anderer Stelle besser eingesetzt werden könnte.
Die zentrale Frage lautet deshalb:
Wie kann man medizinische Fachpersonen schneller zu einer passenden und überprüfbaren Auswahl von Tarifpositionen führen?
Dort ansetzen, wo Aufwand entsteht
Eine gute digitale Lösung beginnt nicht bei der Technologie, sondern beim bestehenden Arbeitsprozess.
Unser Ziel ist nicht, bewährte Abläufe zu ersetzen. Vorlagen und Leistungspakete bleiben sinnvoll, weil sie viele wiederkehrende Fälle gut abdecken. Wir möchten dort unterstützen, wo diese Lösungen an ihre Grenzen kommen: bei zusätzlichen Leistungen, Abweichungen vom Standardfall oder Positionen, die nachträglich einzeln gesucht und geprüft werden müssen.
Genau an solchen Stellen kann eine KI-Assistenz helfen. Sie soll nicht einen neuen Arbeitsschritt schaffen, sondern die Suche und Prüfung besser vorbereiten.

Wie KI sinnvoll unterstützen kann
KI kann medizinische Dokumentation analysieren und Hinweise auf abrechnungsrelevante Leistungen erkennen. Daraus kann das System Tarifpositionen vorschlagen, die fachlich geprüft werden sollen.
Der Nutzen liegt darin, relevante Tarifpositionen schneller sichtbar zu machen. Die Fachperson beginnt dadurch nicht bei null, sondern prüft eine vorbereitete Auswahl.
Wie das Assistenzsystem funktioniert
Unsere Lösung analysiert vorhandene medizinische Dokumentation und gleicht erkannte Hinweise mit hinterlegten Tarifinformationen ab.
Vereinfacht läuft der Prozess so ab:
- Die medizinische Dokumentation wird verarbeitet.
- Die KI erkennt Hinweise auf Leistungen, Untersuchungen oder Abläufe.
- Ein spezialisiertes KI-Modell sucht nach Tarifpositionen, die inhaltlich zur Dokumentation passen könnten.
- Tariflogik und Kontextinformationen helfen bei der Einordnung.
- Das System zeigt eine priorisierte Vorschlagsliste an.
- Eine Fachperson prüft und bestätigt die finale Auswahl.
Damit entsteht keine automatische Abrechnung, sondern eine Entscheidungshilfe für die fachliche Prüfung.
Unser Herzstück: eine spezialisierte KI-Pipeline
Das Herzstück unserer Lösung ist eine spezialisierte KI-Pipeline für die Verbindung von medizinischer Dokumentation und Tarifpositionen.
Diese Pipeline kombiniert mehrere Ebenen.
Semantische Suche
Die KI erkennt, welche Tarifpositionen inhaltlich zu einer medizinischen Dokumentation passen könnten. Das hilft besonders dann, wenn nicht nur ein einzelnes Stichwort entscheidend ist, sondern der medizinische Zusammenhang.
Tariflogik
Hinterlegte Tarifinformationen helfen dabei, Vorschläge fachlich einzuordnen und unpassende Kombinationen zu reduzieren.
Medizinischer Kontext
Fachbereich, Untersuchungsart, dokumentierte Hinweise und typische Abläufe können zusätzliche Signale liefern.
Priorisierung
Die gefundenen Kandidaten werden so sortiert, dass Fachpersonen zuerst jene Positionen prüfen können, die am wahrscheinlichsten relevant sind.
Diese hybride Architektur ist bewusst gewählt. Sprachmodelle sind stark darin, Bedeutung in Texten zu erkennen. Tariflogik und fachlicher Kontext sorgen dafür, dass die Vorschläge kontrollierbar bleiben.
Datenschutz ist Teil der Architektur
Medizinische Informationen gehören zu den sensibelsten Daten überhaupt. Deshalb muss Datenschutz von Anfang an mitgedacht werden.
Unsere Lösung ist für einen kontrollierten Betrieb in Praxen und Kliniken konzipiert. Sie ist so aufgebaut, dass sensible medizinische Inhalte für die Kernfunktion nicht an öffentliche Online-KI-Dienste übertragen werden müssen.
Stattdessen steht ein lokaler oder klar abgegrenzter Betrieb im Vordergrund. Die Verarbeitung soll dort stattfinden können, wo die Daten bereits vorhanden sind: innerhalb der bestehenden Umgebung der medizinischen Institution.
Das bringt mehrere Vorteile:
- mehr Kontrolle über Speicherort und Verarbeitung
- bessere Einbindung in bestehende IT- und Berechtigungssysteme
- weniger unnötige Datenübertragungen
- klarere Verantwortlichkeiten
- bessere Nachvollziehbarkeit im Betrieb
- Anpassung an interne Sicherheits- und Aufbewahrungsrichtlinien
Vorschläge müssen prüfbar bleiben
Ein Tarifvorschlag ist nur dann nützlich, wenn die Fachperson nachvollziehen kann, weshalb er angezeigt wird.
Darum soll das System nicht nur einen Code ausgeben, sondern den Bezug zur Dokumentation herstellen. Zum Beispiel zu einer Untersuchung, einem Befund oder einem dokumentierten Ablauf.
So kann die Fachperson schneller beurteilen, ob der Vorschlag passt, angepasst werden muss oder falsch ist. Die fachliche Verantwortung bleibt bei der zuständigen Person.
Was dadurch konkret Zeit spart
Der grösste Nutzen liegt in der verkürzten Suche.
Wenn bei einer Behandlung zusätzliche Leistungen dokumentiert sind, müssen diese heute oft einzeln gesucht werden. Man sucht im Tarifkatalog nach passenden Positionen, liest Beschreibungen, vergleicht ähnliche Codes und prüft, ob die Position wirklich zum Fall passt.
Eine KI-Assistenz kann diesen ersten Suchschritt vorbereiten. Sie zeigt eine Auswahl von Positionen, die zur Dokumentation passen könnten. Die Fachperson kann diese Liste prüfen, unpassende Vorschläge entfernen und passende Positionen übernehmen.
Das spart vor allem dort Zeit, wo bestehende Pakete oder Vorlagen nicht ausreichen. Die freiwerdende Zeit kann für andere Aufgaben im Praxis- oder Klinikalltag genutzt werden, zum Beispiel für fachliche Kontrolle, Dokumentation, Organisation oder Betreuung der Patientinnen und Patienten.
Der Prozess wird dadurch nicht weniger sorgfältig. Er wird besser vorbereitet.
Unsere Gedanken dazu
Der eigentliche Aufwand entsteht oft dort, wo der Standardfall endet: wenn zusätzliche Positionen gesucht, nachgelesen und einzeln geprüft werden müssen.
Genau dort sehen wir den sinnvollsten Einsatz von KI: nicht als Ersatz für Fachwissen, sondern als Assistenz, die relevante Tarifpositionen schneller auffindbar macht.
Für uns steht deshalb nicht die Frage im Vordergrund, wie viel eine KI automatisch übernehmen kann. Wichtiger ist, wo sie konkret entlastet, ohne Kontrolle und Verantwortung aus dem Prozess zu nehmen.
